Herzensthema von Monika Frei-Herrmann

Kein Leben ohne Wasser

Beitrag aus Quell 40

 

 

Am Rhein bin ich geboren und meine schönsten Kindheitserinnerungen sind Schifffahrten entlang dem Siebengebirge. Seit ich denken kann, ist die Liebe zu diesem gewaltigen Fluss einfach da. Am Wasser kann ich entspannen, atmen, Energie tanken, den Blick schweifen lassen. Daraus folgt schon fast reflexartig der Griff zur Kamera. Den Rhein fotografiere ich seit meiner Jugend. Besonders viele Fotos sind in meinen Schweizer Jahren entstanden, etwa an der Via Mala oder den weißen Felsenschluchten am Vorderrhein. Dort habe ich auch die historische Verehrung von Brunnen kennengelernt, oft dargestellt durch Quell-Nixen. Ein Thema, das ich gerne fotografiere.
 

Wasser an sich ist farblos. Durch gespiegelte Objekte kommt Farbe ins Wasser. Und: Je ruhiger das Wasser, desto schärfer wird die Spiegelung. Bewegt es sich hingegen, entstehen neue Bilder, die das Spiegelobjekt verzerren und verfremden. Die Bewegung erzeugt Formen, die nicht selten wie gemalt wirken – gemalt mit der Kamera. Als die Heidelberger Galeristin Adelheid Graf mit Künstlern und Fotografen die Ausstellung „Kein Leben ohne Wasser“ zusammenstellte, war ich gleich mit Begeisterung dabei. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade die ersten Fotobilder „Spiegelung“ geschaffen, die ich dann von Ausstellung zu Ausstellung weiterentwickelte. Bei den ersten Spiegelungen waren die gespiegelten Gegenstände oder Landschaften eine harmonische Bildeinheit. Dann fand ich es reizvoll nur die gespiegelten Formen in immer kleineren Ausschnitten gestochen scharf einzufangen. Diesen „abstrakten“ Bildern gehen unzählige Motive an Flüssen, Seen und Meeren voraus. Wasser fasziniert und begeistert mich, jeder Brunnen, jede Quelle lockt mich. Besonders wenn das Wasser in einer malerischen Landschaft fließt, der Brunnen lebendiges Trinkwasser hervorsprudelt. So ist mit den Jahren ein großer Fundus an Wasserfotos entstanden.

Foto: Ute Prang

Der Teich in meinem Garten ist die Seele, die Mitte meines Lebensumfelds, die ich über das Jahr hinweg mit der Kamera beobachte. Wenn sich im Sommer die Seerosenblätter auf dem Wasser ausbreiten, die ersten Blütenknospen erscheinen, beginnt der Teich zu leben. Mit Spannung erwarte ich das Öffnen der Seerosenblüten, meist nach einigen warmen Sonnentagen. Abends und auch bei Regen schließen sich die Blüten wieder. Zum Herbst hin türmen sich die Blätter und die Blüten kommen kaum noch ans Licht. Dann wird es Zeit, Platz zu schaffen, denn die Seerosen in meinem Teich blühen bis zum ersten Frost.
 

Jedes Jahr stelle ich aus den Schwerpunkten meiner Arbeit Bildkalender zusammen: Spiegelungen, Brunnen, Tropfen an Blüten und zuletzt der Seerosenteich. Wasser inspiriert mich immer wieder aufs Neue.